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Augsburg – die Stadt der Kanäle und Juweliere

Die Kaufmannsstadt Augsburg galt im Mittelalter als Symbol der Wohlfahrt des deutschen Bürgertumes sowie auch als Symbol des Friedens und der Güte. Genau dort fand das Fest zur Feier der Versöhnung zwischen den Katholikern und den Lutheranern nach dem dreißigjährigen Krieg statt. Die Stadt ist heute für die Juweliere, Torten und das bayerische Bier bekannt. Das an den Flüssen Lech und Wertach befindliche Augsburg wird oft auch «die Stadt der Kanäle» genannt. Vor sehr langer Zeit wurden in der Stadt Kanäle durchgegraben, um Mühlen und zahlreiche Webereien mit Wasser zu versorgen. Heutzutage gibt es dort zwar keine Mühlen und Webereien mehr, aber die Kanäle selbst sind jedoch geblieben und geben der Stadt den besonderen Charme.

Augsburg ist im Vergleich zu anderen deutschen Städten gesehen fast ein Unikat. Die Stadt war noch vor unserer Zeitrechnung gegründet worden. Im 15. Jahrhundert vor Christus hatten Römische Legionäre dort das Militärlager aufgeschlagen und es als Augusta Vindelicorum (hieraus entstand der jetzige Name – Augsburg) genannt. Die Siedlung hatte eine große Rolle im Laufe aller 400 Jahre der Römischen Regierung gespielt. Dort waren Handels- und Militärwege zusammengelaufen. Später wurde die Stadt zum Zentrum des deutschen Christentums. Im Jahre 304 haben dort die römischen Soldaten die Christin mit dem Namen Afra hingerichtet, welche später heiliggesprochen wurde. Afra ist in Augsburg noch bis heute verehrt und gilt als Patronin der Stadt.

Besonders aufgrund der zusammenfließenden Flüsse wurde Augsburg im Mittelalter zum Handelszentrum. Von allen Kunstarten hat sich die Goldschmiedekunst besonders gut entwickelt. Damals wie heute wird die Stadt oft als die Stadt der Juweliere bezeichnet. Man sagt, dass ein Tourist, der nach Augsburg kommt, die Stadt nicht ohne ein Juweliersouvenir verlassen sollte. Logischerweise ist die Stadt zusammen mit ihren Einwohnern durch die Entwicklung der Juwelierkunst reich geworden. Man erinnert sich in Augsburg noch bis heute an die Familie Fugger bzw. einer der berühmtesten Kaufmannsgeschlechter des mittelalterlichen Deutschlands. Die durch den Handel mit Wolle reich gewordene Familie hat Wucher betrieben und später das größte Bankhaus des 15. Jahrhunderts gegründet. Selbst die Könige und Herzoge haben vom Haus Fugger ausgeliehen. Die superreiche Familie Fugger hat Kunst und Wissenschaft protegiert und aktiv Wohlfahrt betrieben. Dank ihrer Mühen wurde in Augsburg das Viertel für bedürftige Menschen namens «Fuggerei» gestiftet. Die Epoche des Hauses Fugger wurde im 17. Jahrhundert mit dem Beginn des dreißigjährigen Krieges beendet. Aber nicht nur das reiche Haus Fugger sondern auch die gewöhnlichen Bürger Augsburgs wurden aufgrund des Krieges geschädigt. Die ehemals reichste deutsche Stadt hat im Laufe des Krieges die Mehrheit von ihren Bürgern verloren und viele Häuser wurden zerstört. Nach dem Kriegsende wurden die Maurer, welche die Stadt neu erbaut hatten, sehr verehrt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde Hans-Georg Mozart zum Werkmeister der Maurer, welcher der Ururgroßvater von den berühmten Wolfgang Amadeus Mozart war. Die Familie Mozart ist in Augsburg seit dem 15. Jahrhundert bekannt.

Die Augsburger bezeichnen sich selbst oft als «Datschiburger». Dabei geht es einfach darum, dass in der Stadt von jeher das Dessert namens «Datschiburger Torte» gebacken wird. Diese stellt eine Torte aus Früchten, Teig und Puderzucker darüber dar. Das genaue Rezept ist bis heute noch unbekannt, weil die Augsburger Bäcker es geheim halten. Was die Augsburger Spezialitäten betrifft, sollte man allemal daran erinnern, dass Augsburg als eine bayerische Stadt über das hervorragende Bier und Schweinshaxe verfügt. Diese werden in jedem guten Restaurant Augsburgs angeboten. 

Im Vergleich zu allen anderen mittelalterlichen Städten galt Augsburg als erstaunlich tolerant gegenüber jeglicher Religionen. Im Jahre 1650 wurde dort zum ersten mal das Friedensfest gefeiert. Nach dem Ende des dreißigjährigen Krieges, in dem sich Katholiker und Lutheraner gegenseitig unerbittlich ausgerottet hatten, hatte man beschlossen, in dem zerstörten und halb entvölkertem Augsburg das «Friedensfest» zu veranstalten. Die katholische Einwohnerschaft hat dadurch die Lutheraner geehrt und sich bei ihnen für all das Leid, welches ihnen angetan wurde, entschuldigt. Seit diesem Zeitpunkt gilt der Friedentag als das bedeutendste Stadtfest und wird jedes Jahr am 8. August in Form eines Karnevals gefeiert. 

Durch Augsburg verlaufen eine Menge von Kanälen. Aus diesem Grund wird Augsburg oft auch als «die Stadt der Kanäle» bezeichnet. Die Gesamtlänge der Kanäle im Weichbild der Stadt beträgt etwa 90 Kilometer! Das Wasser gibt der Stadt den besonderen Charme und einzigartiges Gefühl, welches auch durch die zahlreichen Museen ergänzt wird. Die sind z.B. das Mozarthaus, das Brechthaus, das Fugger-und-Walser-Erlebnismuseum, das Römische Museum, der Kunstverein Augsburg (auch als Geburtshaus von Hans Holbein bekannt), das Maximilianmuseum sowie das Schwäbische Handwerkermuseum. Es gibt einfach keine Zeit, sich zu langweilen! Noch einen Besuch wert ist das Augsburger Rathaus mit dem benachbarten Perlachturm, dessen prunkvolles Interieur an die «goldene Epoche» des bürgerlichen Augsburgs erinnern soll. Der Perlachturm verfügt über die Aussichtsplattform, von wo aus eine herrliche Aussicht über die Altstadt zu genießen ist.