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Oberammergau – das Dorf wie auf einer Postkarte

Bei einem Spaziergang über die Hauptstraße Oberammergau wird es schnell klar, warum dieses Resort von UNESCO geschützt ist. Das kleine von Almwiesen umgebene Dorf mit den bemalten Häusern und seinem eigenen Theater-Festival scheint wie eine Kulisse aus einem Märchenfilm. Es ist ganz einfach, sich in so einem Märchen zu befinden: Das Dorf liegt weniger als zwei Stunden Fahrt von München entfernt...

Die Geschichte des Dorfes Oberammergau, welches im Tal des Flusses Ammer liegt, zählt mehr als dreitausend Jahre! Laut einer Version hat der Name des Dorfes keltische Wurzeln und stammt aus dem Wort «Ambrigo». Im 11. Jahrhundert wurde etwa zwanzig Kilometer von dort entfernt das Kloster Rottenbuch vom Stamm der Welfen gegründet, zu welchem die Gemeinde Oberammergau angeschlossen wurde. Dies bedeutete für die lokalen Bauern, dass sie dadurch als eine Einnahmequelle für das Kloster geworden sind und Pflicht vor ihm tragen mussten. Im 14. Jahrhundert hatte sich das aber alles verändert. Der König Ludwig II. von Bayern legte ein Gelübde ab, das schönste Kloster im ganzen Königreich zu erbauen. Der Ort für das neue Kloster befand sich ca. fünf Kilometer von Oberammergau entfernt. Den hiesigen Bauern wurde befohlen, mit dem Bau des Klosters Ettal anzufangen. Gleichzeitig wurde ihnen erlaubt, auch Handel zu betreiben. Seit dieser Zeit begann ein wundervolles Leben in Oberammergau. Die lokalen Handwerker engagierten sich aktiv an der künstlerischen Holzschnitzerei. Die von Ihnen geschnitzten Kruzifixe, Figuren der Heiligen und viele andere Attribute waren vor großem Interesse bei den Pilgern, die in Ettal ankamen, um die wundertätige Statue der Gottesmutter zu verehren. Die Figuren gefielen aber auch dem König selbst. Er bezahlte nicht nur großzügig für die Arbeit der Einwohner Oberammergaus, die am Bau des Klosters mitgewirkt hatten, sondern befreite sie auch von der Pflicht vor dem Kloster Rottenbuch. Holzschnitzerei wurde seitdem zum bedeutendsten Gewerbe im Dorf. Die fantastischen Kunsthandwerke sind sowohl in den hiesigen Souvenirläden, als auch im Oberammergau Museum zu finden.

Im 17. Jahrhundert brach die Pest in der Region aus. Das ganze Jahr hielt Oberammergau die Verteidigung gegen die grassierende Krankheit: die Einwohner blockierten das Tal des Flusses Ammer von beiden Seiten und ließen niemanden ins Dorf. Der Pest gelang es jedoch, sich ins Dorf  einzuschleichen und fast ein Drittel der Einwohnerschaft umzubringen. Die Überlebenden hatten dann beschlossen,  dass das ganze Dorf eine Prozession vollziehen und seinen Appeal an den Himmel richten sollte. Dafür hatten sie eine ungewöhnliche Weise und zwar das Passionspiel ausgewählt. Es ist sehr erstaunlich, dass nach der ersten solchen Inszenierung die Pest rapide abgeklungen war! Deswegen legten die Einwohner das Gelübde ab, alle zehn Jahre das Passionspiel zu wiederholen. Es ist bekannt, dass bei einer der «Spiele» selbst der König Ludwig II. von Bayern - derjenige, der das prächtige Schloss Neuschwanstein erbauen ließ, anwesend war. Dem König gefiel die Vorstellung so sehr, dass er zu Ehren des Dorfes das Marmorkruzifix – die Kreuzigungsgruppe - gespendet hatte, die bis heute erhalten blieb und auf dem Hügel Osterbichl steht. Im Jahre 1930 wurde endlich in Oberammergau auch das Theatergebäude – namens «das Passionspielhaus» eröffnet. Wie vor 400 Jahren spielen heute in den modernen Aufführungen der Passion Christi keine professionellen Schauspieler und Sänger, sondern die hiesigen Einwohner, die in der Gegend geboren wurden oder nicht weniger als 20 Jahre gelebt hatten. Die Texte und die Musik gleichen denjenigen, die noch in der Zeit der ersten Spiele erstellt wurden! Das Passionspiel wird nun alle zehn Jahre aufgeführt. Das letzte fand im Jahre 2010 statt.

Neben der Holzschnitzerei und dem Theaterfestival ist Oberammergau berühmt für die besondere Art der Malereien an den Fassaden der Häuser, welche als Lüftlmalerei bezeichnet wird. Das erste Gemälde in dieser Technik wurde im 18. Jahrhundert vom einheimischen Künstler und Schöpfer der Dekorationen zu einem der Passionspiele Franz Zwink erstellt. Sein Werk ist zum Beispiel an der Fassade des Pilatushauses zu besichtigen. Die Malereien gestalten meistens die Szenen nach biblischen Motiven. Es gibt aber auch Märchenszenen oder auch Verzierungen rund um Fenster und Türen. Diese wunderschönen Malereien stehen wohl an ihrer Schönheit nur die pompösen bunten Fresken der bedeutendsten Sehenswürdigkeit in Oberammergau, die Pfarrkirche St. Peter und Paul, nach.

Die Küche in Oberammergau ist, wie überall in Bayern, einfach und satt. Die Spezialitäten wie die Schweinshaxe, der Wurstsalat, der am Spieß gebackene Steckerlfisch und das Saure Lüngerl sind dort besonders beliebt. Das letztere stellt eine hervorragende Delikatesse aus Kalbslunge dar. Natürlich sind dort verschiedene bayerische Würstchen wie die Wollwurst ohne Haut, die Münchner Weißwurst und die Bierwurst mit Knoblauch beliebt. Als Nachtisch sollte man auf jeden Fall den leckeren lokalen Pflaumenkuchen namens Zwetschgendatschi probieren. 

Oberammergau ist so ein winziges Dorf, dass man locker in zwei Stunden schafft zu Fuß zu durchqueren. Dennoch ist das Dorf so wunderschön und einzigartig, dass man auf jeden Fall einen ganzen Tag einplanen sollte, um das Dorf mit seinen ganzen Details zu erkunden. Wunderbare Wandfresken ohne Eile zu besichtigen, eine Holzfigur, die noch die Wärme der Meistershände enthält, als Souvenir mitzunehmen und sich das reichliche bayerische Abendessen oder die leckere Wurst zu gönnen. Zum Ende wird der Ausflug mit einer Tasse Kaffee in einem lokalen Kaffeehaus bei der Betrachtung des provinziellen Lebens perfekt ergänzt. 

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