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Chemnitz – das sächsische Manchester

Chemnitz ist die drittgrößte Stadt Ostdeutschlands, welche ehemals als großes Industriezentrum galt und jetzt in Grün gebettet ist. Chemnitz ist offiziell als die «Stadt der Moderne» anerkannt. Man vergisst dort jedoch nicht die Geschichte der Stadt. Erhalten geblieben sind dort die alten Schlösser und ganze Wohnviertel im Jugendstil. Alte Fabriken wurden in Museen, Restaurants und Lofts umgewandelt. Im Gegenteil dazu sind die supermodernen Kaufhäuser noch immer von den sogenannten Schlafbezirken aus der sowjetischen Zeit umgeben. An die sowjetische Zeit erinnert auch die im Stadtzentrum befindliche 40 Tonnen Büste von Karl Marx. Um sich in die vergangenen Zeiten zu vertiefen, sollte man einfach mal ins ehemalige Warenhaus namens «DAStietz» gehen. Dort wird nämlich eines der weltältesten Naturartefakte bzw. der einzigartige 290 Millionen Jahre alte versteinerte Urwald, aufbewahrt!

Im 12. Jahrhundert war um das Benediktinerkloster eine Siedlung entstanden, dessen Name vom slawischen Wort «камень» (slawisch für «Stein») abstammt.

Heute befindet sich im Benediktinerkloster das historische Museum der Stadt namens «Schlossbergmuseum». Chemnitz hat übrigens den Status der Stadt erst im Jahre 1170 erhalten. Die Geschichte und das Aussehen der Stadt ist größtenteils geprägt vom Erzgebirge, welches Sachsen von Tschechien trennt. Dank der Kohleförderung und Erzgewinnung wurde Chemnitz im 18. Jahrhundert zu einem der Zentren im Maschinenbau und in der Textilindustrie. Die Stadt wurde sogar als «das sächsische Manchester» bezeichnet. Die Stadt hat sich auch in die Ingenieurentwicklungen vertieft. Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Chemnitz mehr Erfindungen als in jeder anderen deutschen Stadt patentiert.

Die Tour durch das historische Stadtzentrum sollte man am besten mit der Besichtigung des Marktplatzes (auch als «Markt» bekannt) und des Roten Turms beginnen. Der originelle Turm aus dem 12. Jahrhundert diente zuerst als Teil der Stadtmauer und dann als Gefängnis. Der Turm brannte aufgrund des Krieges ab und wurde in den 1950er Jahren restauriert. Neben dem Steinturm befindet sich das Alte Rathaus aus dem 15. Jahrhundert. Im Jahre 1911 wurde zum Alten Rathaus das Neue Rathaus unter dem Projekt von Richard Möbius angebaut. Beim Eingang steht die 5 Meter hohe Rolandstatue und im Innern ist das Interieur im Jugendstil zu sehen. Das berühmte Wandgemälde «Arbeit=Wohlstand= Schönheit», welches von Max Klinger im Jahre 1918 erschaffen wurde, kann man im Stadtverordnetensaal besichtigen. Die neben den alten und neuen Rathäusern stehende Jakobikirche ist für den spätgotischen Altar, die Kanzel aus dem 16. Jahrhundert und dem durchbrochenen Fries bekannt. Auf dem Marktplatz befindet sich auch das beeindruckende vierstöckige Siegertsche Haus im Barockstil, welches während des Ersten Weltkrieges komplett zerstört und später völlig rekonstruiert wurde.

Der Kaßberg ist eines der größten und gut erhaltenen Jugendstilviertel Deutschlands. Dort befinden sich viele Restaurants, Bars und Klubs. Unter ihnen ist übrigens das große Kellersystem erhalten geblieben, welches damals als Lager für Bier diente. Jetzt werden dorthin Touren organisiert. In den Restaurants von Chemnitz werden traditionelle sächsische Spezialitäten angeboten. Unter den Spezialitäten sind Bröckelkließ (geriebene gebratene Kartoffeln mit Speck, Eiern und Wurst), der Schwammetopf (Schichten von gekochten Kartoffeln und gedämpften Waldpilzen) sowie auch die Saure Flecke (kleingeschnittene Innereien mit Kartoffeln und Gurken in Rahmbrühe). Als Dessert zum Kaffee passt perfekt die Eierschecke bzw. ein Kuchen aus süßem Blätterteig mit Rahmkäse darin und Schlagsahne darüber.

Die Großindustriellen haben Chemnitz mit Villen bebaut. Als die schönste von ihnen gilt die Villa Esche. Sie wurde naсh dem Projekt des berühmten belgischen Architekten Henri Van de Velde errichtet, welcher unter anderem einer der Gründer des Bauhausstils war. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Chemnitz in die DDR aufgenommen und im Jahre 1953 in Karl-Marx-Stadt umbenannt. An diese Zeit erinnert die riesige 7 Meter hohe und 40 Tonnen schwere Bronzebüste von Karl Marx. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde im Zentrum der Stadt der grandiose Bau begonnen, der die Stadt zu einer der modernesten in Deutschland gemacht hatte.

Das Kulturleben in Chemnitz ist um den schönen Theaterplatz herum konzentriert. Dort befindet sich das Opernhaus Chemnitz, welches unter seinem Dach die Oper, das Ballett, die Philharmonie, das Schauspielhaus und das Puppentheater vereint. Dem Opernhaus gegenüber stehen die Kunstsammlungen von Chemnitz. Das Gebäude wurde im Jahre 1909 auch nach dem Projekt von Richard Möbius erbaut und verfügt heute über mehr als 60 Tausend Kunstwerke. Die hervorragende Gemäldesammlung von den deutschen Künstlern des 20. Jahrhunderts ist im Museum Gunzenhauser ausgestellt. 

Der Weihnachtsmarkt in Chemnitz gilt als einer der schönsten in Sachsen.  Vor dem Anfang des Weihnachtsfastens findet in der Stadt die Bergparade statt. Während der Bergparade marschieren etwa 700 Bürger und 250 Musiker in Paradeuniform auf den Straßen. Vor dem Gebäude des Rathauses werden  Holzhäuschen mit dem berühmten sächsischen Nussknacker, Weihnachtskrippen und Weihnachtspyramiden aufgestellt. Im Dezember ist der Sächsische Weihnachtsstollen sehr beliebt. Das Rezept ist bereits seit dem 14. Jahrhundert bekannt. Selbst der Papst hat den hiesigen Bäcker erlaubt, diesen Stollen mit Butter und Milch sogar während der Fasten zu backen. Zu Weihnachten werden in Chemnitz traditionell neun Spezialitäten angerichtet. Sie sind Bratwurst oder der Schweinebraten mit Linsen, Hering-Apfel-Salat, Hirsebrei, Buttermilch mit Brot, Salat aus Roter Bete, Kraut- oder Kartoffelsalat, Sauerkraut mit gebratenen Fleisch oder Wurst, Pelmeni, Pilze sowie auch Backpflaumen.

Beim Planen einer Reise nach Chemnitz sollte man berücksichtigen, dass dort im Mai die größten Kulturveranstaltungen der Stadt bzw. das sächsische Mozartfest (mehr als «Saxon Mozart Festival» bekannt) und die Museumsnacht stattfinden.